Lehrkunstdidaktik ist Unterricht in Gestalt von Lehrstücken. Lehrstücke sind durchkomponierte, mehrfach erprobte, immer wieder variierte und weiterentwickelte Unterrichtseinheiten zu «Sternstunden der Menschheit» oder «epochenübergreifenden Menschheitsthemen». Im Lehrstückunterricht sollen die Schülerinnen und Schüler mitvollziehen können, wie Wissenschaftler oder Kulturpersönlichkeiten in ihrer Zeit neue Erkenntnisse gewonnen und wesentliche Entdeckungen gemacht haben. Lehrkunstdidaktik konzentriert sich auf die Verdichtung schulischer Lernprozesse zu Bildungsprozessen, zentral ist daher auch die ästhetische Dimension des Lehrstückunterrichts.
Lehrkunstunterricht orientiert sich an einer Traditionslinie, die von Comenius’ «Didactica Magna» über Diesterweg, Willmann und Reichwein zum eigentlichen Vater der Lehrkunstdidaktik führt, zu Martin Wagenschein.
In den letzten zwanzig Jahren hat sich die Lehrkunstdidaktik unter der Ägide von Hans Christoph Berg mit Wolfgang Klafki und Theodor Schulze fortentwickelt, ist heute weit verbreitet und kommt von der Mittelstufe der Volksschule bis zur Sekundarstufe II zum Zug. Dabei erhebt sie keineswegs den Anspruch, alle Themenfelder und Unterrichtsbereiche abzudecken – sie versteht sich vielmehr als «Zehn-Prozent-Didaktik».
Wesentlich für die Lehrkunstdidaktik ist die Methodentrias «exemplarisch – genetisch – dramaturgisch»:
• Lehrstückunterricht konzentriert sich auf kulturelle und curricular bedeutsame «Schlüsselthemen» (exemplarisch).
• Er orientiert sich dabei an kulturellen Vorbildern, den originären Quellen: (genetisch) an Autorinnen und Autoren, Forschern, Entdeckern, Dichtern, Denkern, Musikern und bildenden Künstlerinnen wie Pythagoras und Pascal, Aesop und Aristoteles, Linné und La Fontaine, Bach und Brecht, deren Erfahrungen bei der Lösung eines komplexen Problems die Lehrkunstdidaktik sammelt und auswertet,
• um sie unter Aufnahme von Vorlagen oder Hinweisen von Klassikern der Pädagogik für heutige Jugendliche in eine lebendig gestaltete, zusammenhängende Lernaufgabe, ein «Lehrstück», zu verwandeln (dramaturgisch).
Bewährt hat sich zudem die freie und institutionell geförderte Zusammenarbeit in kollegialen Lehrkunstwerkstätten mit Kolleginnen und Kollegen und außerschulischen Beratern beim Aufbau einer Sammlung exemplarischer Lehrstücke.
Leitbild: In der Nuss hat sich die Kraft und das Wesen des Baums verdichtet, und aus der Nuss wächst dann wieder ein neuer Baum. Ähnlich bringt die Lehrkunstdidaktik exemplarische Lehrstücke, in denen sich die Kräfte großer kultureller Traditionen lebendig verdichtet haben – «all in a nutshell» – und die nun im Leben der neuen Generation wieder zu neuen lebenskräftigen Gestalten heranwachsen können.
Die lehrkunstdidaktische Methodentrias "Exemplarisch - Genetisch - Dramaturgisch" nach Martin Wagenschein und Gottfried Hausmann.
Weiteres zum Konzept auch unter Lehrkunst in SoWi online.
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